Kirchliche Bestattungen prägen den Abschied in Deutschland seltener: 2024 wurden noch 43,3 Prozent der Verstorbenen katholisch oder evangelisch begleitet. Gleichzeitig wächst die Vielfalt bei Trauerfeiern, Feuerbestattungen und persönlichen Ritualen, auch ohne Kirche.

Kirchliche Bestattungen werden in Deutschland seit Jahren seltener. Eine am 20. August 2026 veröffentlichte, von Aeternitas zusammengestellte Auswertung zeigt: Im Jahr 2024 wurden 43,3 Prozent aller Verstorbenen katholisch oder evangelisch begleitet. Das entspricht 436.511 Bestattungen bei insgesamt 1.007.758 Sterbefällen. Davon entfielen 223.465 auf die evangelische und 213.046 auf die katholische Kirche.
Zum Vergleich: Im Jahr 2000 lag der Anteil kirchlich begleiteter Bestattungen noch bei 71,5 Prozent. 2020 fiel er mit 49,7 Prozent erstmals unter die Hälfte. Über 24 Jahre ist der Anteil damit um 28,2 Prozentpunkte zurückgegangen.
Wichtig ist die Einordnung: Die Statistik erfasst kirchliche Bestattungen, nicht den persönlichen Glauben aller Verstorbenen. Ein Rückgang bedeutet deshalb nicht automatisch, dass Menschen keine religiösen Gedanken oder Rituale mehr wünschen. Viele Familien suchen heute vielmehr nach einer Form, die zur Lebensgeschichte, zur Familie und zu den eigenen Vorstellungen passt.
Der Wandel zeigt sich auch bei der Wahl der Bestattungsform. Nach Angaben der Gütegemeinschaft Feuerbestattungsanlagen entfielen 2024 bundesweit 81 Prozent der Bestattungen auf Urnenbeisetzungen, während 19 Prozent als Sargbestattungen durchgeführt wurden. Aeternitas spricht in einer eigenen Übersicht von etwa 80 Prozent Einäscherungen.
Eine Urnenbestattung eröffnet unterschiedliche Möglichkeiten: die Beisetzung auf einem Friedhof, in einem Ruheforst oder an einem anderen dafür vorgesehenen Ort. Auch eine Seebestattung kann nach der Einäscherung gewählt werden. Welche Formen zulässig sind, hängt von den jeweiligen gesetzlichen und örtlichen Vorgaben ab.
Für Angehörige bedeutet das: Der Abschied muss nicht mehr zwingend einem einheitlichen traditionellen Muster folgen. Entscheidend ist, dass die gewählte Bestattungsart und die Gestaltung der Trauerfeier zur verstorbenen Person und zur Familie passen.
Bei einer Bestattung ohne Kirche übernimmt häufig eine freie Trauerrednerin oder ein freier Trauerredner die Leitung der Zeremonie. Auch Angehörige, Freunde oder eine dem Verstorbenen nahestehende Person können Worte des Abschieds sprechen. Eine freie Trauerfeier ist dabei keine eigene Bestattungsart, sondern eine persönliche Gestaltung des Abschieds, mit Sarg oder Urne.
Am Anfang steht meist ein ausführliches Gespräch mit den Angehörigen. Dabei geht es um den Lebensweg, wichtige Beziehungen, besondere Eigenschaften und gemeinsame Erinnerungen. Auch Wünsche der Familie, religiöse Vorstellungen oder Themen, die nicht angesprochen werden sollen, können in diesem Gespräch geklärt werden.
Auf dieser Grundlage entsteht eine persönliche Trauerrede. Sie soll nicht nur Daten aus dem Lebenslauf aufzählen, sondern zeigen, was den Menschen ausgemacht hat und was von ihm in Erinnerung bleiben darf. Aeternitas empfiehlt, auch zu besprechen, was den Hinterbliebenen in der Trauer Halt geben kann.
Der Ablauf einer freien Trauerfeier kann ähnlich klar strukturiert sein wie ein kirchlicher Abschied. Häufig gehören eine Begrüßung, Musik, die Trauerrede, persönliche Beiträge und ein Abschiedsritual dazu. Anschließend folgt, je nach Planung, die Beisetzung von Sarg oder Urne.
Möglich sind beispielsweise Lieblingsmusik, Fotografien, Gedichte, Erinnerungsgegenstände, ein gemeinsames Licht- oder Blumenritual sowie einige Minuten der Stille. Religiöse Texte oder Segensworte können auf Wunsch ebenfalls Teil der Feier sein. Sie sind bei einer freien Trauerfeier jedoch nicht verpflichtend.
Eine Bestattung ohne Kirche ist nicht weniger würdevoll. Sie bietet lediglich einen anderen Rahmen: weniger liturgische Vorgaben, dafür mehr Raum für persönliche Worte und individuelle Rituale. Für manche Familien ist das besonders stimmig, wenn der Verstorbene keiner Kirche angehörte oder sich ausdrücklich einen weltlichen Abschied gewünscht hat.
Auch eine Vorsorge kann helfen, Unsicherheiten zu vermeiden. Sie können zu Lebzeiten festhalten, welche Bestattungsart Sie bevorzugen, wer die Trauerrede halten soll und welche Musik oder Texte Ihnen wichtig sind. Je klarer die Wünsche formuliert sind, desto leichter fällt es den Angehörigen später, Entscheidungen zu treffen.
Die Entwicklung der kirchlichen Bestattungen zeigt vor allem eines: Abschiedskultur wird vielfältiger. Ob kirchlich, weltlich oder mit persönlichen religiösen Elementen, es gibt nicht die eine richtige Form. Wichtig ist ein Rahmen, in dem die Familie in Ruhe Abschied nehmen kann.
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