Was passiert bei der Leichenschau?
Der Arzt führt eine sogenannte äußere Leichenschau durch. Dabei stellt er den Tod fest, dokumentiert vermutete Todesursache und Sterbezeitpunkt und kreuzt an, ob der Tod natürlich, nicht-natürlich oder ungeklärt ist.
Im Anschluss erhalten Sie die Todesbescheinigung (umgangssprachlich Totenschein). Dieses Dokument benötigen Sie für alle weiteren Schritte: für das Bestattungsunternehmen, für die Sterbeurkunde, die Sie später beim Standesamt beantragen, und für die Anmeldung beim Standesamt selbst.
Bewahren Sie das Dokument sicher auf. Eine Kopie reicht später nicht aus — das Original geht in der Regel an das Bestattungsunternehmen, das die weiteren Behördengänge übernimmt.
Muss ich nachts die Polizei rufen?
Bei einem natürlichen Tod ist die Polizei nicht notwendig. In der überwiegenden Mehrheit der Fälle — vor allem bei älteren Menschen, nach langer Erkrankung oder im Schlaf — ist das der gegebene Verlauf.
Die Polizei muss nur eingeschaltet werden, wenn der Arzt den Tod als nicht-natürlich oder ungeklärt einstuft. Das entscheidet der Arzt, nicht Sie. Das passiert zum Beispiel bei Hinweisen auf einen Unfall, einen Suizid oder bei einer Person, die ohne ärztliche Behandlung plötzlich verstirbt.
Sollte die Polizei kommen, wird der Bereich um die verstorbene Person zunächst nicht verändert. Auch das organisiert der Arzt — Sie müssen nichts vorbereiten.
Was Sie jetzt tun — und was bis morgen warten kann
Nachts gilt: Es muss nicht alles sofort erledigt sein. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche. Vieles können Sie am nächsten Morgen in Ruhe regeln.
Das gehört in die nächsten Stunden:
- Arzt anrufen (116 117 oder 112)
- Engste Angehörige informieren, wenn Sie das möchten
- Personalausweis der verstorbenen Person bereitlegen
- Ein Bestattungsunternehmen informieren — den Zeitpunkt bestimmen Sie
Das hat bis tagsüber Zeit:
- Weitere Verwandte, Freunde und den Arbeitgeber benachrichtigen
- Versicherungen und Banken informieren
- Sterbefall beim Standesamt melden (Frist meist drei Werktage)
- Entscheidung über Bestattungsart und -ort treffen
- Verträge sichten und Nachlass-Themen bearbeiten
Setzen Sie sich nichts unter Druck. Niemand erwartet, dass Sie nachts um drei den Hinterbliebenenrente-Antrag stellen.
Aufbahrung zu Hause — wie viel Zeit Sie wirklich haben
Direkt nach der Leichenschau kann die verstorbene Person noch eine Weile zu Hause bleiben. Wie lange genau, regelt das jeweilige Bestattungsgesetz Ihres Bundeslandes. In den meisten Bundesländern sind es 24 bis 36 Stunden zwischen Tod und erster Überführung — in einigen länger, sofern keine meldepflichtige Krankheit vorlag.
Diese Zeit gehört Ihnen. Sie können in Ruhe Abschied nehmen, Kerzen aufstellen, gemeinsam mit der Familie zusammensitzen. Viele Angehörige berichten, dass gerade diese ruhigen Stunden helfen, das Geschehene zu begreifen.
Mit der Zeit setzen körperliche Veränderungen ein — Totenstarre und Totenflecken zum Beispiel. Wer die Aufbahrung würdevoll gestalten möchte, findet Schritt-für-Schritt-Hinweise in unserem Ratgeber zur Aufbahrung — Ablauf, Regeln und Kosten.
Wann das Bestattungsunternehmen kommt
Sie bestimmen den Zeitpunkt der Überführung. Es gibt keine Regel, dass das Bestattungsunternehmen sofort kommen muss. Manche Familien rufen direkt nach der Leichenschau an, andere warten bis zum nächsten Morgen oder noch einen Tag länger.
Bei Memovida ist unser Abholteam 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche erreichbar. Wir können nachts kommen, müssen es aber nicht. Wenn Sie uns mitten in der Nacht anrufen, besprechen wir mit Ihnen, was der richtige Zeitpunkt für die Überführung ist — und ob Sie noch ein paar Stunden Zeit haben möchten.
Die Überführung selbst ist ein ruhiger, würdevoller Vorgang. Mehr zum Ablauf finden Sie in unserem Einblick in den Prozess des Leichentransports.
Was Sie nachts besser nicht tun
Es gibt einige Dinge, die in der Aufregung der ersten Stunden oft passieren — und nachträglich Probleme bereiten können.
- Den Verstorbenen nicht selbst bewegen. Erst nach der Leichenschau und der ärztlichen Freigabe. Bei einem ungeklärten Tod kann jede Veränderung später zu Fragen führen.
- Nicht voreilig putzen oder Räume umräumen. Falls der Arzt die Polizei hinzuzieht, müssen die Räumlichkeiten unverändert sein.
- Nicht überstürzt einen Bestatter wählen. Auch nachts haben Sie das Recht, sich zwei oder drei Angebote einzuholen und Festpreise zu vergleichen. Ein seriöses Bestattungsunternehmen drängt nicht zur schnellen Unterschrift.
- Keine Verträge oder Kontoänderungen nachts vornehmen. Banken, Versicherungen und Behörden sind ohnehin geschlossen. Das hat alles bis zum Tag Zeit.
Wenn Sie Zweifel haben, was Sie tun oder lassen sollten: Rufen Sie uns an. Wir beraten Sie auch nachts unverbindlich.
Wenn der Todesfall im Pflegeheim oder Hospiz eintritt
Stirbt jemand nachts im Pflegeheim, Krankenhaus oder Hospiz, übernimmt die Einrichtung in der Regel die ersten Schritte. Das Pflegepersonal oder der diensthabende Arzt stellt den Tod fest und kümmert sich um die Todesbescheinigung.
Als Angehörige werden Sie informiert und können in Ruhe entscheiden, ob Sie noch in der Nacht kommen möchten oder am Morgen. Die Wahl des Bestattungsunternehmens treffen weiterhin Sie. Lassen Sie sich nicht zu einem bestimmten Bestatter drängen, mit dem die Einrichtung zusammenarbeitet — Sie sind frei in der Entscheidung.
In manchen Hospizen ist es Tradition, die verstorbene Person noch ein paar Stunden im Zimmer zu lassen, damit Angehörige Abschied nehmen können. Fragen Sie offen danach.








